Pedro Almodóvar steht für ein Kino von Liebe, Lust und Identität. Seine Filme machten das Private politisch und das Exzentrische menschlich. Er zählt dank Radikalität und emotionaler Tiefe zu Spaniens wichtigsten Regisseuren. Hier sind seine fünf besten Werke.
Pedro Almodóvar und die Kunst der Befreiung
Mit welcher Selbstverständlichkeit Almodóvar seit Beginn seiner Karriere auch Themen wie Homo- und Transsexualität in den Vordergrund rückt, ist umso erstaunlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Spanien noch bis in die 1970er Jahre faschistisch regiert wurde.
Davon unbeeindruckt bringt Almodóvar seither Geschichten auf die Leinwand, die von den Emotionen echter Menschen handeln, und die Welt zeigen, wie sie ist – nur vielleicht ein bisschen schöner und ein bisschen bunter. Oder wie Peter Travers einmal schrieb:
„Pedro Almodóvar macht nicht nur Filme. Almodóvar ist das Kino.“
Atame – Fessle mich!
Kann man die Liebe erzwingen? Von keiner geringeren Frage handelt „Atame“. Und um gleich zu spoilern: eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Dafür aber einen Liebesfilm der besonderen Art, mit einer Handlung, die anstößiger nicht sein könnte: Ein Mann verliebt sich in eine Frau, bricht bei ihr ein, fesselt sie und beschließt, solange bei ihr zu bleiben, bis sie sich auch in ihn verliebt.
Klingt wie eine männliche Gewaltphantasie, entpuppt sich aber als berührende Geschichte sowohl über die Schönheit als auch die Grausamkeit der Liebe. Ein zärtlicher und zugleich wahnsinniger Film.
Volver – Zurückkehren
Oft genug zelebriert Pedro Almodóvar in seinen Filmen die schönen und lustvollen Seiten der Leidenschaft. In „Volver“ zeigt er dagegen, dass Leidenschaft, wenn sie maßlos wird, nur allzu leicht in Gewalt übergehen kann. Denn als Raimundas sex- und alkoholsüchtiger Freund Paco eines Nachts allein mit ihrer Tochter ist und versucht sie zu vergewaltigen, kann sich diese nur retten, indem sie ihm ein Messer in den Bauch rammt.
Um den Mord zu vertuschen, verstecken sie Pacos Leiche in einer Tiefkühltruhe. Doch Raimunda hat noch ganz andere Sorgen: Denn ihre totgeglaubte Mutter soll laut Augenzeugen von den Toten auferstanden und ins Leben zurückgekehrt sein. Oder war sie überhaupt nie tot? In „Volver“ verarbeitet Almodóvar die Bedrohung durch das Patriarchat und liefert ein flammendes Plädoyer für mehr Solidarität unter Frauen.
Die Haut, in der ich wohne
Selten hatte so ein guter Film einen derart schlechten Trailer. Diese unsäglichen zwei Minuten haben wahrscheinlich viele davon abgehalten, sich „Die Haut, in der ich wohne“ anzusehen. Ein Fehler! Denn einen solchen Film hat man garantiert noch nie gesehen.
Auch hier geht es – wie so oft bei Almodóvar – um zerronnene Liebe. Doch zu was die Hauptfigur Robert, gespielt von Antonio Banderas, imstande ist, um diese Liebe auch nur irgendwie wiederzugewinnen, kann man nicht beschreiben. Man muss es sehen! „Die Haut, in der ich wohne“ ist ein genial verschachtelter Rache-Thriller, ein behutsames Melodram über sexuelle Identität und nebenbei eine filmische Reflexion über das Verhältnis von Schauspieler, Regisseur und Publikum.
Sprich mit ihr
Zwölf Jahre nach Atame widmete sich Almodóvar in „Sprich mit ihr“ erneut dem Thema der einseitigen Liebe, allerdings mit einem wesentlich ernsteren Tonfall: Der Journalist Marco führt eine Beziehung mit der Stierkämpferin Lydia. Das Problem ist: Lydia liegt infolge eines Unfalls im Koma. Um seiner Liebe zu ihr dennoch irgendwie Ausdruck zu verleihen, rät ihm der Krankenpfleger Benigno, er solle einfach mit ihr sprechen, möglicherweise hört sie ihn.
Später stellt sich heraus, dass Benigno selbst in eine Frau verliebt ist, die im Koma liegt. Nämlich in die Tänzerin Alicia. Doch im Unterschied zu Marco und Lydia, die schon vorher ein Paar waren, hat Alicia keine Ahnung von Benignos Liebe zu ihr. Sie weiß nicht einmal, wer er ist. Ein sensibles und ergreifendes Drama, das bei einer Umfrage der BBC unter 177 Filmkritikern auf Platz 28 der bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts gewählt wurde.
Zerrissene Umarmungen
Pedro Almodóvar feiert in seinen Filmen stets auch das Kino selbst. Immer wieder finden sich Referenzen auf Klassiker der Filmgeschichte und Huldigungen vor großen Regisseuren. Manche seiner Filme, so auch „Zerrissene Umarmungen“, machen den Film selbst zu ihrem Gegenstand: Erzählt wird die Geschichte eines alten, mittlerweile blinden Regisseurs.
Er erinnert sich an die Romanze, die er einst mit einer Schauspielerin hatte und der er bis heute nachtrauert. In einem eleganten Wechselspiel aus Rückblenden entfaltet sich eine Almodovar-typische Geschichte voller Verstrickungen und Wendungen, mit Bezügen zum Film Noir der 1940er und 50er Jahre. Letztlich ist „Zerrissene Umarmungen“ ein Film über das Sehen, den männlichen Blick und das Kino an sich.
Nicht auf der Liste, aber nicht weniger sehenswert
- „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“
- „Das Gesetz der Begierde“
- „Alles über meine Mutter“
- „La mala education – Schlechte Erziehung“
- „Fliegende Liebende“
- „Julietta“
- „Parallele Mütter“









