Der Kollagen-Beauty-Trend: Ein Faktencheck
Kollagen-Shots am Morgen, “Beauty-Drinks” vor dem Schlafengehen, Influencer:innen, die strahlende Haut in die Kamera halten: Der Kollagen-Boom ist überall. Versprochen werden weniger Falten, festere Haut und stärkere Nägel – gern verkauft als “Beautyroutine zum Trinken”. Aber was sagt die Wissenschaft?
Was ist Kollagen überhaupt?
Kollagen ist das am häufigsten vorkommende Eiweiß im Körper. Es stabilisiert Haut, Knochen und Sehnen. In Nahrungsergänzungen steckt meist “hydrolysiertes Kollagen”: in kleine Peptide zerlegt, damit es angeblich besser aufgenommen wird. Quellen sind überwiegend Tiernebenprodukte: Rinder- und Schweinehäute, Knochen, Knorpel – oder “Marine Collagen” aus Fischhaut und -schuppen. Vegan ist das nicht. “Veganes Kollagen” meint meist nur Produkte, die die körpereigene Kollagenbildung unterstützen (etwa mit Vitamin C), echtes kollagenes Protein aus Pflanzen gibt es praktisch nicht; biotechnologisch hergestelltes Kollagen existiert, ist aber selten und teuer.
Wirkt das – und wenn ja, wie stark?
Nach der Einnahme wird Kollagen im Darm zu Aminosäuren und kleinen Peptiden abgebaut. Diese Bausteine landen im Blut – ob sie gezielt in der Gesichtshaut verbaut werden, ist nicht garantiert. Es gibt jedoch Studien: Mehrere kontrollierte Untersuchungen und einige Meta-Analysen beobachten kleine, aber messbare Effekte bei Hautfeuchtigkeit, -elastizität und feinen Fältchen nach 8–12 Wochen täglicher Einnahme von etwa 2,5 – 10 g hydrolysiertem Kollagen. Klingt gut? Ja, aber:
- Die Effekte sind moderat, nicht “Photoshop in Pulverform”.
- Studien sind oft klein, heterogen designt und häufig industriefinanziert, also für die Werbung der Konzerne gemacht, die das Pulver und die vielen Versprechen verkaufen.1
- Messmethoden (z. B. Hautelastizität) variieren, die klinische Relevanz ist debattierbar.
- Es gibt Responder und Non-Responder in der Studie – das bedeutet, nicht jeder Mensch spricht überhaupt auf die Kollagen-Einnahme an, es ist nicht vollständig messbar.
Kurz gesagt: “Gar nicht nachweisbar” ist falsch – es gibt Hinweise. Aber die Werbeversprechen und die Euphorie der Influencer sind meist überzogen.
Qualität: Was steckt drin im Kollagenpulver?
- Der Rohstoff – Fleisch- & Fischabfälle: Häute und Knochen von Rind und Schwein; Bei Fisch wird meist Fischhaut und -schuppen (Beifang/Nebenprodukte der Fischverarbeitung) verwendet. “Marine” klingt edel, ist aber nicht automatisch überlegen. Wichtiger als die Tierart ist die Proteinqualität und der Grad der Hydrolyse.
- Reinheit: Seriöse Anbieter legen Analysen auf Schwermetalle, mikrobiologische Belastung und Peptidprofil offen. Nahrungsergänzungen werden jedoch weniger streng reguliert als Arzneimittel – die Qualität schwankt also.
- Zusätze: Viele Drinks enthalten Zucker, Süßstoffe, Aromen. “Beauty-Shot” ist oft ein teures Lifestyle-Getränk mit niedriger Proteindosis.
– Nachhaltigkeit/Tierwohl: Es werden Nebenprodukte verwertet – das ist ressourcenschonend, aber nicht “clean & vegan”. Fischkollagen kann teurer sein, nicht zwingend besser.
Was ist noch zu beachten beim Kollagen-Hype?
- Kollagenbildung braucht Vitamin C. Ein Mangel bremst die körpereigene Synthese – egal, wie viel Kollagen du trinkst.
- Die Proteinzufuhr insgesamt zählt. Auch normales Eiweiß (z. B. aus Milch, Eiern, Hülsenfrüchten) liefert die Bausteine.
- Die Pflege der Haut, UV-Schutz, Schlaf und Rauchverzicht beeinflussen Hautalterung stärker als ein einzelnes Pulver.
Fazit für Aufdecker:innen:
Kollagen zum Trinken ist kein Scam, aber auch kein Wundermittel. Es kann der Haut messbar helfen – leicht, nicht spektakulär. Wer kauft, sollte auf klare Dosierung (mind. ca. 2,5 g/Tag), transparente Qualitätsnachweise und sinnvolle Formulierungen achten – und die Influencer-Filter gedanklich entfernen. 😉
Quellen:
1 Oral Collagen Supplementation: A Systematic Review of Dermatological Applications, 2019, https://jddonline.com/articles/oral-collagen-supplementation-a-systematic-review-of-dermatological-applications-S1545961619P0009X/









