Es ist kein Geheimnis, dass ein zentrales Ziel des US-Angriffs auf den Iran ein Regimewechsel ist. Donald Trump hat die iranische Bevölkerung offen dazu aufgerufen, diesen Wandel selbst herbeizuführen. Doch wie könnte so ein Umbruch aussehen? Und wie wurde der Iran eigentlich regiert, bevor die Islamische Revolution das Land grundlegend veränderte? Um diese Fragen zu beantworten, lohnt sich ein genauerer Blick auf Mohammad Reza Pahlavi, den letzten Schah des Iran, und auf seinen Sohn Reza Pahlavi, der bis heute von manchen als möglicher Nachfolger ins Spiel gebracht wird.
Was bedeutet der Titel „Schah“ eigentlich?
Schah ist das persische Wort für König. Der Titel geht auf Herrscherbezeichnungen der Achämeniden-Dynastie zurück, die bereits um 550 vor Christus im ersten Perserreich verwendet wurden. Der Titel blieb in verschiedenen Formen über die folgenden 2.500 Jahre hinweg in Gebrauch. Bis zur Abschaffung der Monarchie im Jahr 1979 war Schah der offizielle Titel der iranischen Könige.
Die Pahlavi-Dynastie führte den Titel Schah im 20. Jahrhundert weiter und nutzte daneben auch den alten persischen Herrschertitel „Schahanschah“, also „König der Könige“. Diese Bezeichnung wird mit Kyros dem Großen in Verbindung gebracht, dem Gründer des Achämenidenreichs.
Wer war der letzte Schah und wie kam er an die Macht?
Der letzte Schah des Iran war Mohammad Reza Pahlavi. Er regierte von 1941 bis 1979, bis ihn die Islamische Revolution ins Exil zwang. Sein Aufstieg begann jedoch nicht mit einer gewöhnlichen Thronfolge, sondern mitten im Zweiten Weltkrieg. Um zu verstehen, wie Mohammad Reza Pahlavi 1941 an die Macht kam, muss man auf die Rolle des Iran im Zweiten Weltkrieg blicken.
Der Iran war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs offiziell neutral. 1941 marschierten britische und sowjetische Truppen in das Land ein. Der Grund dafür lag auch in der strategischen Bedeutung der iranischen Eisenbahnstrecken. Sie wurden damals von deutschen Ingenieuren und Beratern kontrolliert und betrieben. Für Großbritannien und die Sowjetunion war das ein ernstes Problem.
Der damalige Monarch, Reza Schah Pahlavi, zeigte wenig Interesse daran, die Deutschen aus dem Land zu drängen. Großbritannien brauchte jedoch einen verlässlicheren Herrscher in Teheran: jemanden, der den Zugang zum iranischen Öl sicherte und zugleich erlaubte, britische Waffen über iranische Eisenbahnstrecken in die Sowjetunion zu transportieren.

Mohammad Reza Pahlavi offizielles Porträt aus dem Jahr 1973, Foto: Wikimedia Commons
Als Reza Schahs Armee der britisch-sowjetischen Invasion nichts mehr entgegensetzen konnte, floh er aus dem Land. Am 16. September 1941 verkündete der iranische Premierminister Mohammad Ali Foroughi, dass Reza Schahs Sohn, Mohammad Reza Pahlavi, der neue Schah werden sollte.
Weder die Sowjetunion noch Großbritannien waren von dem jungen Monarchen besonders begeistert. Doch beide Mächte akzeptierten ihn, weil sie den Zugang zu den iranischen Eisenbahnstrecken brauchten. So wurde der Iran während des Krieges zu einer wichtigen Nachschubroute für britische und amerikanische Hilfe an die Sowjetunion. Und Mohammad Reza Pahlavi wurde zum neuen Schah eines Landes, dessen Souveränität von Beginn seiner Herrschaft an stark von ausländischen Interessen geprägt war.
Weitere ausländische Interventionen und der Kampf um Irans Öl
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann der Kalte Krieg. Für den Iran bedeutete das: Der Druck von außen ließ nicht nach. Wie viele andere Staaten wurde auch der Iran im Kalten Krieg zum Schauplatz eines Machtkampfs zwischen den USA und der Sowjetunion. Gleichzeitig verschärfte sich im Inneren ein ideologischer Konflikt zwischen kapitalistischen, nationalistischen und kommunistischen Kräften.
Anfang der 1950er Jahre erreichte dieser Konflikt seinen Höhepunkt. 1950 wurde Mohammad Mosaddegh, ein linksgerichteter und demokratisch orientierter Nationalist, zum iranischen Premierminister gewählt. Er wollte die iranische Ölindustrie verstaatlichen, der britisch dominierten Anglo-Iranian Oil Company ihre Sonderrechte entziehen und zugleich die Macht des Schahs begrenzen. Für Großbritannien war das ein Alarmsignal. Denn die britische Wirtschaft profitierte stark vom iranischen Ölgeschäft. Mosaddeghs Plan bedrohte also nicht nur ein Unternehmen, sondern ein ganzes Geflecht westlicher Wirtschaftsinteressen im Iran.

Mohammad Mosaddegh bei seiner Ankunft am Flughafen Schiphol in den Niederlanden am 28. Mai 1952. Foto: Harry Pot / Anefo / Nationaal Archief
Im Iran selbst war Mosaddegh äußerst populär. Doch in Washington und London wuchs die Sorge. Seine Entscheidung zur Verstaatlichung wurde als sozialistisch geprägter Kurs gelesen. Zugleich fürchteten die USA, der Iran könnte sich im Kalten Krieg der Sowjetunion annähern. Was folgte, war ein Muster, das in dieser Zeit immer häufiger wurde: Die USA und Großbritannien planten 1953 einen Staatsstreich gegen Mosaddegh. Der Premierminister sollte abgesetzt und durch General Fazlollah Zahedi ersetzt werden, der den westlichen Mächten politisch verlässlicher erschien.
Wie die USA den Schah 1953 stärkten
Der Schah spielte in diesem Plan eine zentrale Rolle. Er sollte Mosaddegh offiziell entlassen und Zahedi zum neuen Premierminister machen. Doch der erste Versuch, Mosaddegh abzusetzen, scheiterte. Der Plan wurde bekannt, Mosaddegh blieb im Amt, und der Schah geriet selbst unter Druck. Aus Angst vor den Folgen verließ er das Land und ging vorübergehend nach Rom.
In Teheran blieb die Machtfrage damit offen. Die USA gaben den Umsturz jedoch nicht auf. Sie unterstützten schah-treue Kräfte, bezahlten Anhänger und halfen dabei, Proteste gegen Mosaddegh zu organisieren. Auf den Straßen eskalierte die Lage: Demonstrationen, Gewalt und Angriffe auf politische Gegner sollten den Eindruck erzeugen, Mosaddegh habe die Kontrolle über das Land verloren.
Diese Destabilisierung wirkte. Teile des Militärs stellten sich auf die Seite der Putschisten. Die Kämpfe konzentrierten sich schließlich auf zentrale Orte in Teheran, darunter auch Mosaddeghs Amtssitz. Am Ende wurde seine Regierung gestürzt. General Fazlollah Zahedi trat als neuer Premierminister auf, und der Schah konnte aus dem Exil zurückkehren.
Für die USA und Großbritannien war damit erreicht, was sie wollten: Die politische Richtung des Iran blieb unter westlichem Einfluss. Für Mohammad Reza Pahlavi war der Putsch ein Wendepunkt. Seine Herrschaft war danach enger denn je mit westlicher Unterstützung verbunden. Der Iran wurde zu einem zentralen Verbündeten der USA im Nahen Osten, an der Seite Israels.
Die zwiegespaltene Herrschaft des Mohammad Reza Pahlavi
In den restlichen 1950er Jahren bewegte sich der Schah ständig zwischen westlichen und sowjetischen Interessen. Gleichzeitig versuchte er, seine eigene Macht gegenüber den gewählten Premierministern auszubauen. Meist verstand er, dass er weder Washington noch Moskau zu stark provozieren durfte, wenn er selbst an der Macht bleiben und den Iran aus einem größeren Konflikt heraushalten wollte. Zwar setzte er außenpolitisch vor allem auf enge Beziehungen zu den USA. Doch im Norden grenzte der Iran an die Sowjetunion. Moskau blieb deshalb eine Macht, die der Schah nie ignorieren konnte.
Innenpolitisch zog der Schah eine Lehre aus der Popularität Mosaddeghs: Reformversprechen konnten enorme politische Kraft entfalten. Mosaddegh hatte viele Iraner:innen erreicht, weil er sozialen Fortschritt, nationale Selbstbestimmung und Reformen im Interesse der Bevölkerung versprach. Mohammad Reza Pahlavi versuchte deshalb, sich selbst als moderner, fortschrittlicher Herrscher zu präsentieren. Aus diesem Anspruch heraus startete er 1963 die sogenannte Weiße Revolution.
Diese Reformphase war, besonders unter den religiösen Autoritäten im Iran, tief umstritten. Zugleich veränderte sie das Land grundlegend. Mehrere Millionen Bauernfamilien erhielten Land. Frauen erhielten das Wahlrecht und konnten selbst für politische Ämter kandidieren. Lehrkräfte und medizinisches Personal wurden aufs Land geschickt, um dort Bildung, Gesundheitsversorgung und Lebensbedingungen zu verbessern.
Modernisierung ohne Demokratisierung
Auch wirtschaftlich griff der Staat stärker ein. Natürliche Ressourcen wurden weiter verstaatlicht, Beschäftigte in diesen Industrien erhielten begrenzte Beteiligungen an Gewinnen. Zudem wurde das Justizsystem stärker von religiösem Recht gelöst und in Richtung eines säkularen Systems verschoben, auch wenn der Einfluss der Scharia nicht vollständig verschwand.

Mohammad Reza Pahlavi spricht 1963 vor einer Menschenmenge über die Prinzipien der Weißen Revolution. Foto: Wikimedia Commons
Die Herrschaft Mohammad Reza Pahlavis war eine Phase rasanter wirtschaftlicher Modernisierung. Der Schah förderte die Industrialisierung, indem er einer neuen Klasse von Industriellen günstige Kredite verschaffte und die Produktion im eigenen Land stärkte. Von Alltagswaren bis zu Luxusgütern. Das beschleunigte auch die Urbanisierung. Eine wachsende städtische Mittelschicht profitierte von hohen Investitionen in Bildung und Gesundheitsversorgung.
Wichtig ist aber die Einordnung: Diese Modernisierung bedeutete nicht automatisch politische Öffnung. Der Schah verband Reformen und wirtschaftlichen Aufbruch mit dem Ausbau seiner eigenen Macht. Genau darin lag ein zentraler Widerspruch seiner Herrschaft: Er wollte den Iran modernisieren, aber nicht demokratisieren.
Arischer Nationalismus und antiarabische Vorurteile
Mit arischem Nationalismus ist hier nicht der deutsche Nationalsozialismus gemeint, sondern eine iranische Erzählung von vorislamischer, persischer Größe: Der Iran wurde dabei als Erbe einer alten „arischen“ Zivilisation verstanden, die sich von arabischem Einfluss und vom politischen Islam abgrenzen sollte.
Unter dem Schah nahmen solche nationalistischen Ideen und antiarabische Vorurteile zu. Dahinter stand die Vorstellung, Iran beziehungsweise Persien habe seine frühere Größe durch die arabischen Eroberungen und den wachsenden Einfluss des Islam verloren. Diese Sichtweise war nicht neu. Doch Mohammad Reza Pahlavi griff sie während seiner Herrschaft aktiv auf und machte sie zu einem Teil seiner politischen Erzählung.
Für den Schah standen arabisch-nationalistische Regime in der Region für Rückschritt und Blockade. Er selbst orientierte sich stärker an säkularen Ideen, westlichen Staaten und Israel, auch in militärischen und kulturellen Fragen. Das verstärkte die Abwertung von Arabern gegenüber Persern.
Warum sich viele Iraner gegen den Schah wandten
Man könnte meinen, umfassende soziale und wirtschaftliche Reformen hätten dem Schah dauerhafte Popularität gesichert. Doch seine Herrschaft war zugleich geprägt von offener Korruption und einem systematischen Abbau der Demokratie. Eine zentrale Rolle spielte dabei der gefürchtete Geheimdienst SAVAK.
Er wurde 1957 mit Unterstützung der USA und Israels gegründet und ging brutal gegen Kritiker:innen des Regimes vor. In den 1960er Jahren wurden die Rechte politischer Parteien immer weiter beschnitten, bis sie praktisch bedeutungslos waren. 1975 wurden sie schließlich ganz verboten. An ihre Stelle setzte der Schah die Rastachiz-Partei. Sie wurde zur einzigen zugelassenen Partei des Landes. Bürger:innen sollten ihr beitreten. Wer sich verweigerte, musste mit Verfolgung rechnen.

Massendemonstration gegen den Schah 1978 an der College Bridge in Teheran. Foto: Autor unbekannt / sajed.ir / Wikimedia Commons / GFDL
Hunderte politische und religiöse Gegner:innen starben unter der Herrschaft Mohammad Reza Pahlavis. 1975 ließ der Schah in den Evin-Hügeln neun prominente politische Gefangene hinrichten. Unter ihnen waren Mitglieder der linken Volksfedajin und der Volksmudschahedin, einer weiteren linken Oppositionsgruppe.
Während die Wirtschaft stärker wurde, blühte auch die Korruption. Zu den größten Profiteuren gehörten die Pahlavi-Familie und das direkte Umfeld des Schahs. Auch viele Menschen außerhalb der Elite profitierten von den Reformen. Doch zugleich wurde sichtbar, wie ungleich der neue Wohlstand verteilt war.
Wer die Korruption offen kritisierte, musste mit der berüchtigten SAVAK rechnen. Für immer mehr Iraner:innen wurde der Gegensatz unerträglich: auf der einen Seite Armut und Alltagssorgen, auf der anderen der verschwenderische Lebensstil des Schahs und seines Umfelds.
Die Islamische Revolution von 1979
Die Reformen der Weißen Revolution und die vom Schah vorangetriebene Orientierung am Westen hatten klare Gewinner:innen, besonders iranische Frauen. Doch große Teile der konservativen iranischen Gesellschaft lehnten diese Entwicklung ab, ebenso der einflussreiche schiitische Klerus.
Korruption, soziale Ungleichheit, politische und religiöse Unterdrückung sowie die forcierte Orientierung am Westen führten zu einer immer breiteren Enttäuschung über den Schah. 1978 erreichte diese Unzufriedenheit ihren Siedepunkt. In der Stadt Qom brachen die ersten Massendemonstrationen aus, aus denen später die Revolution entstehen sollte.
Die Antwort des Schahs war Gewalt. Seine Sicherheitskräfte schossen mit scharfer Munition auf die Menge. Dutzende, möglicherweise Hunderte Demonstrierende wurden getötet. Damit begann die letzte Phase seiner Herrschaft: Die Proteste gegen das Regime breiteten sich im ganzen Land aus.
Zur zentralen Figur der Revolution wurde Ruhollah Chomeini, der spätere Oberste Führer der Islamischen Republik. Chomeini war ein schiitischer Geistlicher und einer der schärfsten Gegner des Schahs. Schon in den 1960er Jahren hatte er die Reformpolitik des Monarchen angegriffen, besonders dessen Orientierung am Westen und die Schwächung religiöser Autoritäten. 1964 wurde Chomeini deshalb ins Exil gezwungen.

Porträt von Ruhollah Chomeini aus dem Jahr 1981. Foto: Ali Kaveh / National Library and Archives of Iran / Wikimedia Commons
Von den Vororten von Paris aus koordinierte Chomeini die Revolution. Es gelang ihm, unterschiedliche oppositionelle Gruppen gegen den Schah hinter seiner Führung zu sammeln. Seine Predigten wurden heimlich in den Iran gebracht, dort vervielfältigt und über Geistliche weiter verbreitet. Chomeini präsentierte sich nicht nur als Anführer der islamistischen Opposition, sondern auch als Stimme jener linken und säkularen Kräfte, die den Schah ebenfalls stürzen wollten.
Aus Frankreich heraus unterstützte er Streiks und Proteste, die das Regime zunehmend lähmten. Im Januar 1979, ein Jahr nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in Qom, musste der Schah selbst ins Exil gehen. Damit war seine Herrschaft beendet. An ihre Stelle trat eine neue Ordnung: die Islamische Republik Iran.
Warum wieder über den Schah gesprochen wird
Warum also ist der Schah wieder in den Nachrichten? Gemeint ist nicht Mohammad Reza Pahlavi selbst, der letzte Schah des Iran. Im Mittelpunkt steht heute sein 65-jähriger Sohn und einstiger Thronfolger Reza Pahlavi.
Bei einem Auftritt in Berlin forderte Pahlavi ein Ende des Regimes im Iran. Kurz darauf wurde er mit einer roten Flüssigkeit bespritzt. Die Aktion wirkte wie ein symbolischer Verweis auf das Blut, das unter der Herrschaft seines Vaters vergossen wurde.
Reza Pahlavi lebt seit der Islamischen Revolution von 1979 im Exil in den USA. In den 1980er Jahren erklärte er sich dort selbst zum König, bildete eine Exilregierung und plante einen von den USA und Israel unterstützten Staatsstreich, der ihn an die Spitze des Iran bringen sollte. Breitere Unterstützung fand er damit jedoch kaum. Rückhalt bekam er vor allem von wohlhabenden Exil-Iraner:innen in den USA, während die Mehrheit der Iraner:innen im Land wenig Interesse an einer Rückkehr der Monarchie zeigte.

Reza Pahlavi bei einer Veranstaltung an der Arizona State University in Tempe, Arizona, 2015. Foto: Gage Skidmore / Wikimedia Commons
Reza Pahlavi steht heute wieder im Fokus, weil manche in ihm eine mögliche Alternative zur Islamischen Republik sehen. Für manche in den USA und Israel bietet Pahlavi eine scheinbar einfache Antwort: ein bekannter Name, eine prowestliche Biografie und die symbolische Rückkehr zu einer Zeit vor 1979. Genau darin liegt aber auch das Problem.
Denn die Pahlavi-Dynastie steht nicht nur für Modernisierung und anbindung an den Westen, sondern auch für Repression, Korruption und ausländische Einflussnahme. Wer heute über Reza Pahlavi spricht, spricht deshalb immer auch über die ungelöste Frage, ob ein Regimewechsel im Iran wirklich demokratische Selbstbestimmung bedeuten würde oder nur einen neuen Machtwechsel von außen.
Würde Israel einen neuen Schah unterstützen?
1959 setzte Mohammad Reza Pahlavi ein deutliches politisches Signal. Er erlaubte Israel, ein Handelsbüro in Teheran zu eröffnen. Damit erkannte der Iran Israel faktisch an, ohne offiziell volle diplomatische Beziehungen aufzunehmen. 1962 änderte er zudem lokale Vorschriften. Iranische Jüd:innen, Christ:innen, Zoroastrier:innen und Baháʼí konnten ihren Amtseid für Gemeinderäte fortan auf ihre eigenen heiligen Schriften ablegen, nicht mehr ausschließlich auf den Koran.
Diese Entscheidung wurde im Iran heftig diskutiert. Für Ruhollah Chomeini, den späteren Ayatollah und Anführer der Islamischen Revolution, wurde sie zu einem frühen Streitpunkt mit dem Schah. Sie verstärkte seine Kritik daran, dass der Monarch religiöse Minderheiten politisch aufwertete und den Iran stärker an Israel und den Westen annäherte.
Heute hat sich die Verbindung zwischen der Pahlavi-Dynastie und Israel weiterentwickelt. Bei einem Besuch in Israel im Jahr 2023 besuchte Reza Pahlavi unter anderem die Klagemauer in Jerusalem. Das Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs wertete die Reise als politisches Signal. Dadruch erkenne Israel Pahlavi als „wichtigsten Führer der iranischen Opposition“ an.
Und was würden die USA tun?
In einer Rede von 2025 griff Reza Pahlavi bewusst auf eine Rhetorik zurück, die schon die Herrschaft seines Vaters im Kalten Krieg geprägt hatte. Während er die iranische Bevölkerung zum Kampf für einen Regimewechsel aufrief, sprach er von jenen Kräften, die angeblich Frieden und Wohlstand verhindern wollten. Sein verstorbener Vater habe sie einst treffend als „unheilige Allianz von Rot und Schwarz“ bezeichnet: Also Kommunist:innen und Islamist:innen.
Diese Sprache dürfte in Washington gut ankommen. Sie knüpft an alte Feindbilder des Kalten Krieges an und verbindet sie mit heutigen Warnungen vor „Islamist:innen“. Beides gehört auch zum politischen Vokabular der Trump-Regierung.
Donald Trump hat Reza Pahlavi bisher nicht offiziell als bevorzugten Kandidaten für einen Iran nach einem Regimewechsel unterstützt. Das heißt aber nicht automatisch, dass er die Idee ablehnt. Ein Grund für seine Zurückhaltung dürfte sein, dass er nicht offen mit einem Exilpolitiker verbunden werden will, falls der Iran in einen langen und blutigen Bürgerkrieg stürzt.
Die Unterstützung Pahlavis könnte die USA tiefer in einen weiteren Krieg hineinziehen, mit neuen Waffenlieferungen, Geld und militärischer Hilfe. Genau dafür schwindet in Trumps eigener Anhängerschaft die Geduld. Denn viele seiner Unterstützer:innen hatten ihm geglaubt, als er eine Rückkehr zu einer stärker isolationistischen US-Außenpolitik versprach.
Aber wollen die Iraner:innen überhaupt einen neuen Schah?
Es ist offensichtlich, dass sich viele Iraner:innen ein Ende der brutalen Herrschaft der Geistlichen wünschen, die mit der Islamischen Revolution begann und seit 47 Jahren anhält. Weniger eindeutig ist, ob sie stattdessen eine Rückkehr zur Monarchie unter einem neuen Schah als realistische Alternative sehen. Die Lage der iranischen Zivilbevölkerung ist komplizierter, als es die Regimewechsel-Rhetorik von außen oft nahelegt.
Das gilt besonders seit den massiven US-Angriffen auf das Land und den Protesten, die sie ausgelöst haben. Internet- und Telefonverbindungen sind stark eingeschränkt. Umso schwerer ist es, die Stimmen jener Menschen zu hören, die im Zentrum dieser Krise stehen.
Was die Proteste aber zeigen: Viele Iraner:innen wollen ein Ende von Tyrannei, Repression und staatlicher Bestrafung. Sie wollen Demokratie und die Freiheit, selbst über ihre Führung und ihre Zukunft zu entscheiden. Eine von außen gestützte Rückkehr eines Schahs passt kaum zu diesem Anspruch.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass unter Mohammad Reza Pahlavi Hunderte, vermutlich Tausende Menschen getötet, gefoltert oder verfolgt wurden. Seine Herrschaft war nicht nur eine Phase von Modernisierung und Reformen, sondern auch eine autoritäre Ordnung, die politische Gegner:innen mit Gewalt unterdrückte.
Die iranische Schriftsteller:innenvereinigung bringt diese Haltung am deutlichsten auf den Punkt:
Freedom certainly will not fall from the sky with bombs and missiles from predatory powers. Those who have risen up against the status quo while maintaining their independence from domestic and foreign exploiters […] neither wait for repetition of an imaginary past and its heralds, nor wait for fake reformers.
Also: „Freiheit fällt nicht mit Bomben und Raketen ausländischer Mächte vom Himmel. Wer sich gegen die bestehenden Verhältnisse erhebt und dabei unabhängig von Ausbeutern im eigenen Land wie im Ausland bleibt, wartet weder auf die Wiederkehr einer verklärten Vergangenheit noch auf falsche Reformer.“









