Mit 24 Jahren Staatssekretär, mit 27 Außenminister, mit 31 Bundeskanzler: Sebastian Kurz stieg innerhalb weniger Jahre an die Spitze der österreichischen Politik auf. Nach der Matura begann er ein Jus-Studium in Wien, während er in der Jungen ÖVP Karriere machte. Einen Universitätsabschluss machte er jedoch nicht. Welche Ausbildung hat Sebastian Kurz, wer förderte seinen Aufstieg und wie führte sein Weg vom Gymnasium ins Kanzleramt?
Sebastian Kurz’ Lebenslauf im Überblick
Sebastian Kurz wurde am 27. August 1986 in Wien geboren. Seine politische Karriere begann in der Jungen ÖVP. Danach folgten ein Mandat im Wiener Gemeinderat, der Wechsel in die Bundesregierung und zwei Amtszeiten als Bundeskanzler.
| Jahr / Zeitraum | Station |
|---|---|
| 1992–1996 | Volksschule in Wien |
| 1996–2004 | Gymnasium Erlgasse in Wien-Meidling |
| 2004 | Matura mit Auszeichnung |
| 2004–2005 | Präsenzdienst beim Bundesheer |
| Ab 2005 | Studium der Rechtswissenschaften in Wien, ohne Abschluss |
| 2009–2017 | Bundesobmann der Jungen ÖVP |
| 2010–2011 | Wiener Gemeinderat und Landtagsabgeordneter |
| 2011–2013 | Staatssekretär für Integration |
| 2013–2017 | Außenminister |
| 2017–2021 | Bundesparteiobmann der ÖVP |
| Dezember 2017 bis Mai 2019 | Erste Amtszeit als Bundeskanzler, zunächst in Koalition mit der FPÖ |
| Jänner 2020 bis Oktober 2021 | Zweite Amtszeit als Bundeskanzler, in Koalition mit den Grünen |
| Dezember 2021 | Ankündigung des vollständigen Rückzugs aus der Politik |
| Ab 2022 | Tätigkeit als Unternehmer, Berater und Investor |
Welche Ausbildung hat Sebastian Kurz?
Sebastian Kurz besuchte von 1992 bis 1996 die Volksschule in der Anton-Baumgartner-Straße in Wien-Liesing. Anschließend wechselte er an das Gymnasium Erlgasse in Wien-Meidling. Dort maturierte er im Juni 2004 mit Auszeichnung.
Nach der Matura leistete Kurz 2004 und 2005 seinen Präsenzdienst beim Bundesheer. Bereits im November 2003 hatte er während seiner Schulzeit eine Tennis-Übungsleiterausbildung gemacht.
Nach der Schule sammelte Kurz erste praktische Erfahrungen in Politik und Verwaltung. Dazu gehörten unter anderem Praktika in der ÖVP-Presseabteilung, in einer Rechtsanwaltskanzlei und in der Kulturabteilung der österreichischen Botschaft in Washington.
Was hat Sebastian Kurz studiert?
2005 begann Sebastian Kurz Rechtswissenschaften an der Universität Wien zu studieren. Das Jus-Studium schloss er allerdings nicht ab. Gleichzeitig übernahm er während seiner Studienzeit zunehmend politische Aufgaben. So wurde er 2009 Bundesobmann der Jungen ÖVP und zog ein Jahr später in den Wiener Gemeinderat ein.
Bereits im folgenden Jahr wechselte er als Staatssekretär in die Bundesregierung. Damit wurde die Politik zu seinem Beruf. Auch während seines weiteren Aufstiegs zum Außenminister und Bundeskanzler holte er den Studienabschluss nicht nach.
Sebastian Kurz und die Sommeruniversität in Cambridge
Im Juli 2008 nahm Kurz nach eigenen Angaben an einer juristischen Sommeruniversität in Cambridge teil.
Wie begann Sebastian Kurz seine politische Karriere?
Kurz engagierte sich bereits als Jugendlicher in der Jungen ÖVP. Dabei arbeitete er sich über die Wiener Parteijugend an die Spitze der Bundesorganisation vor. Im Juni 2009 wurde er zum Bundesobmann der Jungen ÖVP gewählt.

Im Wiener Wahlkampf 2010 setzte er auf Provokation. Dabei sorgte seine Kampagne mit dem Slogan „Schwarz macht geil“ und einem schwarzen Hummer für Aufmerksamkeit. Nach der Wahl zog Kurz in den Gemeinderat und Landtag ein. Dort blieb er allerdings nur wenige Monate.
Denn der damalige ÖVP-Chef Michael Spindelegger machte ihm ein Angebot, das seine Laufbahn beschleunigte. Er fragte den 24-Jährigen, ob er Staatssekretär für Integration werden wolle.

Daraufhin sagte Kurz zu und wechselte 2011 in die Bundespolitik. Sein Aufstieg führte damit über die Parteijugend und ein Wiener Mandat in die Bundesregierung. Spindelegger wurde dabei zu einem wichtigen Förderer.
Wie wurde Sebastian Kurz Bundeskanzler?
Vom Eintritt in die Bundesregierung bis zur ersten Angelobung als Kanzler vergingen rund sechseinhalb Jahre. In dieser Zeit übernahm Kurz zunächst das Außenministerium und anschließend die Führung der ÖVP.
Vom Staatssekretär zum Außenminister
Am 21. April 2011 wurde Kurz als Staatssekretär im Innenministerium angelobt. Er war für Integration zuständig und mit 24 Jahren bereits Mitglied der politischen Führung des Ressorts.

Im Dezember 2013 folgte der nächste Karriereschritt. Kurz übernahm mit 27 Jahren das Außenministerium und wurde damit zum jüngsten Außenminister in der Geschichte der Republik Österreich. Die Zuständigkeit für Integration behielt er dabei. Bis Dezember 2017 blieb er an der Spitze des Ministeriums.
ÖVP-Übernahme und Wahlsieg 2017
Im Mai 2017 trat Reinhold Mitterlehner als ÖVP-Chef zurück. Daraufhin übernahm Kurz zunächst geschäftsführend die Parteiführung. Am 1. Juli wurde er dann mit 98,7 Prozent der Delegiertenstimmen zum Bundesparteiobmann gewählt.
Seinen Antritt hatte Kurz allerdings an Bedingungen geknüpft. So verlangte er mehr Entscheidungsgewalt über Personal, Kandidatenlisten und die politische Ausrichtung. Die Partei stimmte zu. Dadurch konnte Kurz nun unter anderem die Bundesliste bestimmen und Generalsekretäre bestellen. Gleichzeitig wurde aus dem schwarzen Parteiauftritt ein türkiser. Dabei trat die ÖVP fortan als „neue Volkspartei“ auf.
Bei der Nationalratswahl im Oktober 2017 erreichte sie rund 31,5 Prozent und wurde stärkste Partei. Kurz bildete anschließend eine Regierung mit der FPÖ. Am 18. Dezember wurde er schließlich mit 31 Jahren als Bundeskanzler angelobt.
Die Übernahme der Partei war damit ein entscheidender Schritt auf dem Weg ins Kanzleramt. Kurz führte die ÖVP in die Wahl und hatte zugleich weitreichende Kontrolle über ihren Kurs und ihr Personal gewonnen.
Wann war Sebastian Kurz Bundeskanzler und warum trat er zurück?
Sebastian Kurz war zweimal Bundeskanzler. Seine erste Amtszeit dauerte vom 18. Dezember 2017 bis zum 28. Mai 2019. Nach einer Unterbrechung kehrte er am 7. Jänner 2020 ins Amt zurück. Diese zweite Kanzlerschaft endete jedoch am 11. Oktober 2021.
2019 stürzte seine Regierung nach der Ibiza-Affäre
Die erste Koalition aus ÖVP und FPÖ zerbrach nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019. Zunächst trat FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache zurück. Nachdem Kurz die Entlassung von Innenminister Herbert Kickl angekündigt hatte, kündigten auch die übrigen FPÖ-Minister ihren Rückzug aus der Regierung an.
Am 22. Mai wurde Kickl entlassen, während die anderen FPÖ-Regierungsmitglieder auf eigenen Wunsch ihrer Ämter enthoben wurden. Die parteifreie Außenministerin Karin Kneissl blieb im Amt.
Kurz blieb zunächst Kanzler, verlor aber die Unterstützung der parlamentarischen Mehrheit. Am 27. Mai sprach der Nationalrat seiner Regierung schließlich das Misstrauen aus. Es war das erste erfolgreiche Misstrauensvotum gegen eine Bundesregierung in der Zweiten Republik. Daraufhin enthob Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Regierung am folgenden Tag ihres Amtes.
2021 trat Kurz unter dem Druck von Ermittlungen zurück:
Bei der Nationalratswahl im September 2019 gewann die ÖVP erneut. Diesmal bildete Kurz allerdings eine Koalition mit den Grünen. Im Jänner 2020 begann seine zweite Amtszeit.
Im Oktober 2021 geriet er jedoch wegen Korruptionsermittlungen unter Druck. Am 9. Oktober kündigte er seinen Rückzug aus dem Kanzleramt an. Zwei Tage später übernahm Alexander Schallenberg die Funktion. Kurz wies die Vorwürfe zurück. Außerdem blieb er zunächst ÖVP-Chef und wechselte an die Spitze des Parlamentsklubs.
Am 2. Dezember 2021 erklärte er schließlich seinen vollständigen Abschied aus der Politik. Dabei verwies er auch auf die Geburt seines ersten Sohnes. Sein Rückzug erfolgte zugleich vor dem Hintergrund der damaligen Ermittlungen.
In einem späteren Verfahren wegen einer Falschaussage vor dem Ibiza-Untersuchungsausschuss wurde Kurz im Februar 2024 erstinstanzlich und nicht rechtskräftig verurteilt. Das Oberlandesgericht Wien hingegen hob diesen Schuldspruch im Mai 2025 auf und sprach ihn rechtskräftig frei. Der Freispruch betraf den konkreten Vorwurf einer falschen Aussage zu seiner Beteiligung an der Auswahl des ÖBAG-Aufsichtsrats.
Sebastian Kurz privat: Partnerin und Kinder
Sebastian Kurz und Susanne Thier sind seit ihrer Schulzeit ein Paar. Ihr erster Sohn Konstantin wurde im November 2021 geboren, wenige Tage vor Kurz’ vollständigem Rückzug aus der Politik.
Im Mai 2025 kam ihr zweiter Sohn Valentin zur Welt. Die Geburt verkündete Kurz auf Instagram. Dazu veröffentlichte er ein Foto, auf dem Konstantin seinen kleinen Bruder im Arm hält.
Was macht Sebastian Kurz heute?
Nach seinem politischen Rückzug baute Kurz eine neue berufliche Laufbahn auf. Dazu gründete er Anfang 2022 die Unternehmensberatung SK Management. Später wurde er Mitgründer der KI- und Cybersicherheitsfirma Dream. Er arbeitet heute als Unternehmer, Berater und Investor. Dabei spielen auch Kontakte aus seiner politischen Laufbahn eine Rolle. So war einer seiner frühen Beratungskunden der US-Unternehmer Peter Thiel.
Damit hat sich Kurz’ beruflicher Schwerpunkt von der Politik auf Unternehmen, Beratung und Beteiligungen verlagert. Wie viel er persönlich damit verdient, bleibt allerdings offen. Denn die öffentlich bekannten Zahlen zu seinem Einkommen und Vermögen betreffen vor allem Firmengewinne, einzelne Honorare und geschätzte Beteiligungswerte. Sie zeigen nicht, wie viel Geld ihm privat zur Verfügung steht.
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