1954 stürzte die Central Intelligence Agency (CIA) im Auftrag Washingtons die demokratisch gewählte Regierung Guatemalas. Sie finanzieren Rebellen, liefern Waffen und setzen ein von den USA abhängiges Regime ein. Unter dem Vorwand des Antikommunismus unterstützten die USA in Wahrheit einen Putsch, der maßgeblich den Interessen der United Fruit Company diente. Für Guatemala folgten Jahrzehnte des Bürgerkriegs, hunderttausende Tote und noch mehr Vertriebene.
1951 wählte Guatemala einen neuen Präsidenten. Ihre Wahl fiel auf den linken Reformer Jacobo Arbenz Guzman, den Vorsitzenden der „Revolutionären Partei Guatemala“, der mit knapp ⅔ der Stimmen gewann. Der frisch gewählte Präsident versprach den Menschen in Guatemala ein besseres Leben. Denn zu dieser Zeit befand sich ein großer Teil der guatemaltekischen Wirtschaft in der Hand eines einzigen US-amerikanischen Konzerns: United Fruit Company.
United Fruit Company
Die United Fruit Company (heute Chiquita) und ihre Konkurrenten Standard Fruit (heute Dole) befanden sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts in einem Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft in Zentralamerika. United Fruit besaß 1951 rund 220.000 Hektar an Land. Zusätzlich gehörten dem amerikanischen Konzern auch das Bahnnetz und die wichtigsten Häfen. Der Einfluss des Agrarriesen war so groß, dass Historiker diesen als „Staat im Staat“ bezeichneten, mit großem Einfluss auf Innen- sowie Außenpolitik.
Landreform gegen Konzerngier: Guatemala im Fadenkreuz der CIA
Arbenz und seine Regierung beschlossen, das Land aus diesem fast feudalen Zustand zu holen und setzten eine Landreform durch. 1951 verabschiedete das Parlament von Guatemala das „Dekret 900“. Im Sinne der 1944 geschriebenen Verfassung wurden rund 600.000 Hektar enteignet und an guatemaltekische Familien zurückgegeben. Konkret sollten ungenutzte Flächen über 90 Hektar von Großgrundbesitzern und großen Konzernen, die diese Flächen in Reserve hielten, an die Einwohner Guatemalas überstellt werden.
Mit dieser Maßnahme sollte die Abhängigkeit kleiner Bauern von den Wohlhabenden zerschlagen werden. Auch ein explizites Verbot von Sklaverei, unbezahlter Arbeit und die Nutzung von Arbeitskraft als Mietzahlung wurde eingeführt. Alles Praktiken, die von Konzernen wie United Fruit genutzt wurden, um ihre Arbeiter:innen abhängig zu machen.
Doch das missfiel der United Fruit Company Guatemala. Der damalige CIA-Direktor Allen Welsh Dulles arbeitete damals auch als Lobbyist für das Unternehmen. Auch sein Bruder John Foster Dulles, der 1953 US-Außenminister wurde, war für den Konzern tätig. Im Interesse der United Fruit Company wirkten die Brüder auf US-Präsident Dwight D. Eisenhower ein. Sie überzeugten den brennenden Antikommunisten Eisenhower davon, Arbenz sei ein Kommunist, der Guatemala an dem sowjetisch geführten Ostblock ausrichten wolle. Obwohl Arbenz den Kapitalismus im Land lediglich demokratisieren wollte, beschloss Eisenhower, dieser vermeintlichen roten Bedrohung das Handwerk zu legen.
Coup d’État: wie man einen Staat stiehlt
Ein Coup d’État (zu Deutsch „Staatsstreich“) beschreibt einen plötzlichen, illegalen und gewaltsamen Umsturzversuch einer oder mehrerer kleiner Gruppen mit dem Ziel, die Macht in einem Staat an sich zu reißen. Er unterscheidet sich maßgeblich von einer Revolution dadurch, dass ein Coup d’État „von oben“, also von Politikern oder Militärs, kommt, während eine Revolution „von unten“ aus der Gesellschaft angestrebt wird.
Die CIA schaltete sich ein, um Arbenz zu beseitigen und einen US-gesinnten Machthaber in Guatemala einzusetzen. Ihre Wahl fiel auf Carlos Castillo Armas, einen guatemaltekischen Offizier, der bereits am Putsch 1944 beteiligt war. In Honduras und El Salvador rüstete die CIA mit seiner Hilfe Rebellen und Söldnertruppen aus, die den Coup d’État durchführen sollten.
1954 marschierten rund 400 Mann über die Grenze nach Guatemala. Sie sprengen Brücken und Bahngleise in die Luft, kappen das Telegrafennetz und marschierten auf die Hauptstadt Guatemala-Stadt zu. Castillo Armas und seine Putschisten schlossen einen Pakt mit der Armee. Árbenz, der Guatemala-Stadt nicht opfern wollte, versuchte vergeblich, Milizen zu mobilisieren. CIA-Propaganda und Luftangriffe lähmten jedoch Armee und Bevölkerung
Als sich auch hochrangige Offiziere in der Hauptstadt gegen Präsident Arbenz verschworen, reichte dieser seinen Rücktritt ein und floh mit seiner Familie nach Mexiko-Stadt, wo er 1971 starb.
Putsch für Profite: die blutigen Kriege der United Fruits Company
Der US-finanzierte Coup d’État hinterließ tiefe Wunden in der guatemaltekischen Gesellschaft. Castillo Armas, der als Diktator hervortrat, regierte das Land autoritär. Unter seiner Führung kam es zu Massenverhaftungen von Oppositionellen und Massakern. Allein bei Finca Jocatán, einem Zentrum aufständischer Gewerkschafter, wurden mehr als 1000 Menschen ermordet. Ironischerweise wurde die Operation der CIA unter dem Decknamen „Operation Success“ geführt. Damals noch klassifizierte Dokumente sind bis heute einsehbar.
United Fruit Company Guatemala: Wie die CIA 1954 für Bananen putschte
Auf Castillo Armas, der das Land bis zu seiner Ermordung 1957 regierte, folgte eine Reihe an kurzlebigen autoritären Regenten. 1960 stürzte das Land in einen verheerenden Bürgerkrieg, der bis 1996 andauern sollte. Laaut der Anthropologin und Guatemala-Forscherin Carlota McAllister sterben in dieser Zeit rund 200.000 guatemaltekische Zivilisten. Der Großteil davon kam durch Gräueltaten der US-unterstützten Regierung ums Leben.
Dem Historiker Nick Cullather zufolge untergruben die USA mit dem Putsch 1953 ihr eigentliches Ziel. Anstatt eines stabilen Guatemalas destabilisierten sie die gesamte Region für Jahrzehnte, um die Interessen der United Fruit Company zu sichern. Ein Muster, das sich im Rahmen der Monroe-Doktrin in der Geschichte noch viele Male wiederholen soll.









