Die Kerzen flackern, alle schauen auf den Kuchen, das Geburtstagskind schließt die Augen und pustet. Doch warum eigentlich? Eine Deutung führt ins antike Griechenland zur Göttin Artemis: Runde Kuchen sollen den Mond dargestellt haben, Kerzen sein Licht und der Rauch die Bitten der Menschen zu den Göttern getragen haben. Belegt ist der Brauch jedoch erst viel später – um 1800 beschreibt Johann Wolfgang von Goethe eine Geburtstagstorte mit brennenden Wachsstöcken.
Jedes Kind kennt es. Aufgeregt springt man aus dem Bett, freut sich auf Geschenke und natürlich auf den leckeren Kuchen, auf dem schon die Kerzen brennen. In der ganzen Hektik und Vorfreude gibt es einen Moment der Stille. Schafft es das Geburtstagskind, die Kerzen mit einem Mal auszupusten? Was heute als unverzichtbares Geburtstagsritual gilt, hat eine sagenumwobene Geschichte. Um das leuchtende Ritual ranken sich einige Geschichten und Mythen. Woher die Idee der Geburtstagskerze wirklich stammt, ist bis heute noch immer nicht ganz geklärt.
Erste Spuren führen ins antike Griechenland
Einige Quellen sehen den Ursprung der Geburtstagskerzen im antiken Griechenland. Eine Spur führt zur Göttin Artemis. In der griechischen Mythologie zählt sie zu den zwölf großen olympischen Göttern. Sie ist die Tochter von Zeus und die Göttin der Jagd, der wilden Tiere, der Jungfräulichkeit und des Mondes. In einigen Überlieferungen heißt es, dass die Griechen runde Kuchen mit Kerzen vor den Tempel der Artemis legten. Der Kuchen sollte den Mond und die Kerzen das Licht des Mondes darstellen. Der Rauch wurde dabei als Medium verstanden, das die Wünsche der Menschen nach oben zu den Göttern trägt. Antike Rituale dienten laut einiger Ritualforschern dazu, das Wohlwollen der Götter zu erlangen. Ganz sicher ist die Verbindung zur heutigen Geburtstagskerze nicht. Die Kuchen waren keine Geburtstagskuchen nach unserem heutigen Verständnis, sondern Teil eines religiösen Rituals.

Erstmalige Erwähnung durch Johann Wolfgang von Goethe
Näher verwandt mit unserer heutigen Tradition sind Überlieferungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Einige noch erhaltene Schriften skizzieren Geburtstagsfeiern, bei denen Kerzen auf dem Kuchen waren. Schon der Weimarer Literat Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) schreibt in einem autobiografischen Werk von einer „von bunten Wachsstöcken flammenden Torte“. Ein bunter „Wachsstock“ meint hier eine Kerze. Solche Schriften zeigen, dass Geburtstagskerzen schon um 1800 in Deutschland bekannt waren. Noch genauer wird die Tradition des Kerzenauspustens im Folk-Lore Journal aus dem Jahr 1883 beschrieben. In diesem wird beschrieben, dass in Württemberg und der Schweiz jede Kerze für ein Lebensjahr stehe. Allerdings wird beschrieben, dass die Kerzen nacheinander ausgepustet werden sollen, was sich von unserem heutigen Verständnis unterscheidet.
Sind Kerzen auf der Torte gefährlich?
Im Jahr 2017 gab es ein Medienecho rund um das beliebte Geburtstagsritual. Die Welt titelte: „Wie das Kerzenausblasen die Geburtstagstorte verseucht“. Auch Die Zeit griff das Thema auf. Dabei nahmen sie Bezug auf eine Studie eines Forschungsteams der Clemson University aus South Carolina. Darin fanden sie heraus, dass beim Auspusten durchschnittlich 1400 % mehr Bakterien auf den Kuchen gelangen als ohne das beliebte Ritual. Wer nun überlegt, auf LEDs oder Ähnliches anstelle von herkömmlichen Kerzen zurückzugreifen, kann aufatmen. Das Forschungsteam gab Entwarnung: Die Studie zeigt vor allem, dass Bakterien übertragen werden können, nicht, dass Geburtstagskuchen dadurch automatisch gefährlich werden.









