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Collage: Geschichte des Emoji

Die Geschichte des Emoji: Vor über 100 Jahren begann sie in Österreich

Vinzenz Kuntze von Vinzenz Kuntze
11. Juni 2026
in Wissen
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Vom Wiener Philosophen Ludwig Wittgenstein über den amerikanischen Smiley-Erfinder Harvey Ball bis zum japanischen Designer Shigetaka Kurita: Die Geschichte des Emojis ist internationaler, als man auf den ersten Blick denkt. Was heute in jedem Chat auftaucht, begann lange vor dem Smartphone.

Eine kurze Nachricht wie „Habe keine Zeit“ kann schnell schroff und abweisend wirken. Aufgelockert mit einem kleinen Piktogramm sieht das schon anders aus: „Habe keine Zeit ☹“. Auch wenn beide Nachrichten dieselben Wörter beinhalten, wirken sie unterschiedlich. Während erstere als gereizt interpretiert werden kann, wirkt zweite eher traurig oder enttäuscht. Der Unterschied entsteht allein durch das kleine Sambol am Ende der Nachricht. Das Emoji vereinfacht die heutige digitale Kommunikation und ermöglicht es, Emotionen in Bildchen kurz und knapp auszudrücken. Doch die Erfindung des Emojis (japanisch für Bildschrift) liegt bereits vor dem digitalen Zeitalter.

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Ludwig Wittgenstein: Der Gedanke über gezeichnete Gefühle
Harvey Ball: Der Mann hinter dem gelben Smiley
Scott Fahlman: Wie aus Satzzeichen Gefühle wurden
Shigetaka Kurita: Der Erfinder der ersten digitalen Emojis
Vom Chat zum Weltphänomen: Emojis heute

Ludwig Wittgenstein: Der Gedanke über gezeichnete Gefühle

Einige Forscher führen die Entstehung des Emojis auf den Wiener Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) zurück. Oft wird hierfür eine seiner Vorlesungen zitiert, in der er sagte, dass er „mit nur vier Strichen unzählige Ausdrucksformen wiedergeben“ könne – aber nur wenn er „ein guter Zeichner“ sei. Dem Philosophen zufolge könnten gezeichnete Gesichter das Geschriebene verdeutlichen und das erreichen, was man mit bloßen Worten nicht vermitteln kann. Zwar erfand Wittgenstein die Emojis nicht, machte jedoch deutlich, dass gemalte Gesichter an Grenzen stoßende Worte ergänzen können.

Bild: Die ersten Emojis
Die ersten Emojis. Wittgenstein sagte: „Wenn ich ein guter Zeichner wäre, könnte ich mit vier Strichen unzählige Ausdrücke vermitteln.“

Harvey Ball: Der Mann hinter dem gelben Smiley

Eine weitere prägende Figur für die Entstehung der Emojis ist der US-Amerikaner Harvey Ball. Sein Schaffen könnte als popkulturelle Inspiration gelesen werden. Er erschuf 1963 den lachenden gelben Smiley für eine Versicherungsfirma. Damit sollten die Mitarbeiter motiviert werden. Weil er sich diesen nicht patentieren ließ, soll er nur rund 45 $ für seine Kreation bekommen haben.

Foto: Harvey Ball
Harvey Ball bei einer Autogrammstunde 1998

Scott Fahlman: Wie aus Satzzeichen Gefühle wurden

Der Informatiker Scott Fahlmann entwickelte mit den Emoticons – ein Kofferwort aus den englischen Begriffen “emotion” (Gefühl) und “icon” (Zeichen) – einen wichtigen Vorgänger der heutigen Emojis. 1982 soll Fahlmann in einem Forum darüber diskutiert haben, wie man am besten Emotionen in ebensolchen Foren kennzeichnen soll. : ) wird als lachendes Gesicht interpretiert, während die Kombination : ( Trauer ausdrückt. Aus dieser simplen Idee beeinflusste er die globale Kommunikation. Damit waren die Emoticons geboren, die als um 90° gedrehte Gesichter gelesen werden.

Shigetaka Kurita: Der Erfinder der ersten digitalen Emojis

Der Übergang von Emoticons zu Emojis, wie wir sie heute kennen, entstand durch den Japaner Shigetaka Kurita 1999. Damals hatten SMS noch eine Zeichenbegrenzung, weshalb Nutzerinnen und Nutzer gezwungen waren, komplexe Emotionen in möglichst kurzen Textnachrichten auszudrücken. Kurita programmierte 176 Bildchen für einen japanischen Mobilfunkanbieter. Er ergänzte die Gesichter um Symbole wie einen Controller. Um Kuritas Werk zu ehren, kuratierte das Museum of Modern Art in New York im Jahr 2016 eine Kunstausstellung über Emojis.

Vom Chat zum Weltphänomen: Emojis heute

2010 wurden die kleinen Bilder in den Unicode-Standard aufgenommen. Dieser sorgt dafür, dass Buchstaben, Zeichen und Zahlen einen unverwechselbaren Code haben. Damit können Emojis sowohl auf dem iPhone als auch auf dem Windows-Laptop angezeigt werden. Für die Entwicklung der Emojis war das ein zentraler Schritt, der die boomenden Emojis noch weiter verbreitete. Mittlerweile sind Kuritas 176 Emojis auf mehr als 4.000 Emojis angewachsen.

Heute gebührt den Emojis sogar ein eigener inoffizieller Feiertag. Seit dem 17. Juli 2014 wird jährlich das Emoji gefeiert. Nur ein Jahr später wurde der “😂”vom Oxford Dictionaries zum „word of the year“ gewählt. Auch außerhalb des digitalen Kosmos findet man mittlerweile Emojis, auf T-Shirts, Speisekarten oder eben Zeitungsartikeln. 2017 entstand sogar ein eigener Film „Emoji – Der Film“, in dem der Protagonist Gene ein Emoji ist.

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Tags: crowdfundedEmojiEmoticonsGeschichteHarvey BallJapanKommunikationLudwig WittgensteinÖsterreichPiktogrammepopkulturScott FahlmanShigetaka KuritaSmileySpracheSymboleUnicodeUSA

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