Waffen für Rebellen und Propaganda gegen Regierungen. Im Kalten Krieg sorgten die USA weltweit für Konflikte. Afghanistan, Iran und Angola zeigen, was diese Politik hinterließ. Von angeheizten Kriegen bis instabile Staaten und Hunderttausenden Toten. Allein in Indonesien starben bei Masasakern 2-3 Mio. Menschen, in Angola etwa 800.000. Was damals als Kampf gegen den Kommunismus verkauft wurde, endete für Millionen Menschen in Krieg und Diktatur.
Afghanistan 1979: CIA-Waffen für Islamisten
1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein, um das kommunistische Regime zu stützen. Nach dem Einmarsch wurde Präsident Hafizullah Amin getötet und durch den moskau-freundlichenBabrak Karmalersetzt. Es kam zum Krieg zwischen der Sowjetunion und Rebellen in Afghanistan, allen voran den islamistischen Mujahideen.
Die Mujahideen waren eine lose Koalition religiöser Gruppen, die sich gegen die kommunistische Herrschaft auflehnten. Mithilfe der CIA unterstützten die USA die Mujahideen mit Gewehren, Luft- und Panzerabwehr. Nachdem die Sowjets 1989 Afghanistan verließen, spalteten sich die Mujahideen. Ein Teil der Kämpfer schloss sich den heute regierenden Taliban an, andere bildeten Netzwerke wie Al-Qaeda.
Es folgten Jahre des Bürgerkriegs. 1996 übernahmen die Taliban die Macht. 2001 marschierten die USA unter George W. Bush Junior in Afghanistan ein. Bis 2021 waren internationale Truppen unter US-Führung in Afghanistan stationiert, konnten das Land aber nicht stabilisieren. Während des Abzugs der letzten westlichen Truppen im August 2021 übernahmen die Taliban erneut die Macht im Land.
Infobox: Mujahideen und ihre Erben
1990 entstand aus Kämpfern der Mujahideen und religiösen Koranschülern die Gruppe der Taliban (dt. : „die Schüler“, „die Wissenssuchenden“). Nach 1992 kam es zur Instabilität innerhalb des neuen afghanischen Regierungsapparates. Den Taliban gelang es, die verbleibenden Mujahideen-Warlords zu besiegen. Sie nahmen im September 1996 die Hauptstadt Kabul ein und rufen dort das „Islamische Emirat Afghanistan“ aus – unter anderem gelang ihnen das durch die amerikanischen Waffen, die sich aus dem vergangenen Krieg noch in Afghanistan befanden.
Iran 1953: CIA und Großbritannien stürzen Mossadegh
Zu Beginn der 50er Jahre wollte die Regierung des Iran unter Premierminister Mohammad Mossadegh die Ölfelder des Landes verstaatlichen und so die Bodenschätze aus der Kontrolle britischer Konzerne lösen. Das missfiel jedoch den USA und Großbritannien. Die CIA wurde im Land aktiv, Aufstände wurden unterstützt und 1953 der Schah, der König des Iran, als Herrscher eingesetzt. Dabei setzte die CIA auch auf Propaganda: Mossadegh wurde als kommunistennaher Machtpolitiker dargestellt, um die Stimmung gegen ihn zu kippen und den Putsch öffentlich vorzubereiten.
Zuvor war der Schah bereits seit 1941 auf dem Thron, durch den Putsch von 1953 aber vom zeremoniellen zum de facto Oberhaupt aufgestiegen. Bis in die 1970er Jahre regierte dieser das Land als Verbündeter des Westens. 1979 brachen Proteste im Land aus. Trotz der US-Unterstützung für den Schah wurde die Dynastie gestürzt.
Anstelle des Königs wurde die Islamische Republik Iran unter dem Ajatollah, dem religiösen Oberhaupt, ausgerufen. Diese ist bis heute an der Macht. Immer wieder geht der Staat mit Gewalt gegen Proteste und Oppositionelle vor. Im Jänner 2026 dokumentierten Menschenrechtsorganisationen besonders schwere Repressionen gegen Demonstranten. Schätzungen gehen von 2000 bis zu 18.000 Todesopfern aus. Inzwischen hat ein neuer Abschnitt des Konfliktes begonnen. Im Februar 2026 griffen Israel und die USA den Iran an – das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, wurde getötet.
Infobox: Das Ajatollah Regime
In den 1970er Jahren herrschte große Unzufriedenheit mit der Regierung des Schahs. Diese war zunehmend autoritär geworden, die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich. Im Zuge von Massenprotesten flieht er 1979 aus dem Land. Ruhollah Khomeini kehrt in das Land zurück und ruft die „Islamische Republik Iran“ aus – das Land wird von einer autoritären Monarchie zu einer theokratischen Republik mit religiöser Führung. Das Land wird von einem wichtigen US-Verbündeten zu einem seiner erbittertsten Feinde.
Ägypten 1956: US-Veto gegen eigene Verbündete
Im Juli 1956 verstaatlichte Ägypten die Suezkanalgesellschaft. Die wichtigste Handelsstraße der Welt befand sich bis dahin mehrheitlich im Besitz der ehemaligen Kolonialmächte Ägyptens, des Vereinigten Königreichs und Frankreichs. Die UK war auf den Suezkanal angewiesen, um ihre Erdölversorgung zu sichern sowie den Zugriff auf ihre Kolonien in Afrika zu ermöglichen.
Auch Frankreich hatte Interesse an einem Angriff auf das Land am Nil. Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser unterstützte die Unabhängigkeitsbestrebungen Algeriens, damals noch französische Kolonie. Als Reaktion marschierten Ende Oktober 1956 Israel, Frankreich und das Vereinigte Königreich in Ägypten ein. Fallschirmjäger besetzten wichtige Punkte entlang des Kanals, während israelische Truppen die Halbinsel Sinai einnahmen. Die ehemaligen Weltmächte und ihre Verbündeten im Nahen Osten machten die Rechnung jedoch ohne die neue Machtordnung, die Kalter Krieg geschaffen hatte.
Die USA stellten sich politisch gegen ihre eigenen Verbündeten Großbritannien und Frankreich und brachten in der UN eine Resolution für einen sofortigen Waffenstillstand ein. Die Sowjetunion erhöhte parallel mit militärischen Drohungen den Druck. Unter diesem doppelten Druck mussten Großbritannien, Frankreich und Israel ihre Offensive abbrechen und sich aus Ägypten zurückziehen.
Infobox: Abdel Nasser und der panarabische Nationalismus
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fegte eine Welle des Nationalismus durch die arabische Welt. Viele ehemalige Kolonien strebten nach Selbstbestimmung. 1952 kam der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser durch einen Militärputsch an die Macht. Er wollte mehr Unabhängigkeit vom Westen, eine arabische Einheit und weitreichende Sozialreformen.
Nach der Suezkrise bildete Ägypten mit Syrien von 1958 bis 1961 die Vereinte Arabische Republik. Diese scheiterte jedoch und wurde wieder aufgelöst. Der Sechstagekrieg gegen Israel schwächte Nassers Position und die Strömung des „Panarabischen Nationalismus“. 1970 starb Abdel Nasser – der Panarabische Nationalismus verlor an Bedeutung.
Angola 1975: 800.000 Tote, 4 Millionen Menschen vertrieben
1975 wurde Angola als eines der letzten Länder Afrikas von seiner Kolonialmacht Portugal unabhängig. In dem Land im Südwesten Afrikas brach nach der Unabhängigkeit ein blutiger Bürgerkrieg aus. Auf der einen Seite kämpften die Bewegungen UNITA und FNLA gegen die marxistisch orientierte MPLA. Während die Sowjetunion gemeinsam mit Kuba die MPLA unterstützte, lieferten die USA Waffen an die UNITA und FNLA. Kalter Krieg bedeutete in Angola deshalb nicht nur Ideologie, sondern konkrete Waffenlieferungen, ausländische Einmischung und einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg.
Auch Apartheid-Südafrika mischte sich in die Kämpfe auf Seiten der UNITA und FNLA ein. 1976 untersagte der US-Kongress mit dem Clark Amendment zwar die offizielle Einmischung der Vereinigten Staaten, die Unterstützung lief jedoch verdeckt weiter. 1986 hob US-Präsident Ronald Reagan das Verbot auf. Ab 1986 flossen mitunter die für die Zeit modernsten Waffen auf dem Markt an die UNITA und FNLA.
Die Kämpfe in Angola dauerten Jahrzehnte an, bis 2002 der Anführer der UNITA, Jonas Savimbi, bei Gefechten getötet wurde. Der Bürgerkrieg hatte über Jahrzehnte zwischen 500.000 und 800.000 Todesopfer gefordert und über 4 Millionen Angolaner:innen vertrieben.









