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Die Opium-Kriege erklärt// Bild: Xi Jinping: 總統府, CC BY 2.0/wikimedia/xiquinhosilva

Die Opium-Kriege erklärt// Bild: Xi Jinping: 總統府, CC BY 2.0/wikimedia/xiquinhosilva

Die Opium-Kriege: Als Großbritannien & Frankreich das alte China zerstörten

Victor Strauch von Victor Strauch
18. Juni 2026
in Geschichte, Wissen
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China erlebt heute einen historischen Wiederaufstieg. In wenigen Jahrzehnten wurde aus einem armen Entwicklungsland eine globale Großmacht. Für viele Chinesen ist das keine völlig neue Entwicklung, sondern die Rückkehr zu einer früheren Stärke. Denn über Jahrhunderte zählte China zu den wirtschaftlich bedeutendsten Staaten der Welt – bis die Opiumkriege das Land in eine lange Phase der Krise führten. Es folgten Jahrzehnte politischer Instabilität, militärischer Niederlagen und wirtschaftlicher Schwäche. Die Erinnerung daran prägt Chinas Selbstverständnis bis heute.

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1 Als China zu den stärksten Wirtschaftsmächten der Welt gehörte
2 China weist europäische Forderungen zurück
3 Wie die Briten versuchten, China mit Opium zu öffnen
4 Opium-Kriege erklärt: Militärische Überlegenheit gegen ein geschwächtes Kaiserreich
5 Hongkong: Vom britischen Außenposten zur chinesischen Sonderverwaltungszone
6 Warum es trotz allem zum Zweiten Opiumkrieg kam
7 Die Opium-Kriege waren der Beginn von Chinas „Jahrhundert der Demütigung“
8 Das Ende des Kaiserreichs und der Weg in die Armut
9 Der Wiederaufstieg – und warum die Geschichte bis heute nachwirkt

Als China zu den stärksten Wirtschaftsmächten der Welt gehörte

Bis ins 19. Jahrhundert war China vielen europäischen Staaten wirtschaftlich und organisatorisch voraus. Das Kaiserreich verfügte über eine hochentwickelte Verwaltung, riesige Städte und ein weit verzweigtes Handelssystem. Schon lange vor Europa erfanden Chinesen Papiergeld, den Kompass, den Buchdruck und Schießpulver.

Vor allem wirtschaftlich war China ein Schwergewicht. Historiker schätzen, dass das Land um 1800 rund ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung erbrachte.

China exportierte drei Waren, die alle Welt begehrte: Tee, Seide und Porzellan. In Europa galten sie als Luxusgüter. Besonders Tee erfreute sich in Großbritannien außerordentlicher Beliebtheit. Das Problem aus britischer Sicht: China kaufte nur wenige Waren aus Europa. Die chinesische Wirtschaft war in vielen Bereichen weitgehend selbstversorgend. Bezahlt wurde deshalb meist mit Silber – der damaligen chinesischen Währung.

Das alte China war Europa wirtschaftlich und organisatorisch voraus// Bild: wikimedia/xiquinhosilva/Creative Commons Attribution 2.0 Generic
Das alte China war Europa wirtschaftlich und organisatorisch voraus// Bild: wikimedia/xiquinhosilva/Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Schätzungen zufolge flossen rund 40 Prozent des zwischen 1500 und 1800 geförderten Silbers nach China. Für Großbritannien wurde dieses Handelsdefizit zunehmend zum wirtschaftlichen Problem.

China weist europäische Forderungen zurück

Wie selbstbewusst China damals auftrat, zeigte sich 1793. Der britische König Georg III. schickte eine Delegation zum chinesischen Kaiser Qianlong. Großbritannien wollte bessere Handelsbedingungen und einen dauerhaften Handelsposten in China. Der Kaiser lehnte die Forderungen ab – in bemerkenswert überheblichem Ton:

„Wie Euer Gesandter mit eigenen Augen sehen kann, besitzen wir alles. Ich lege keinen Wert auf Gegenstände, die fremdländisch oder geschickt erfunden sind, und ich habe keine Verwendung für die Produktion Eures Landes.“

In Großbritannien wurde die Ablehnung als Ausdruck chinesischer Überheblichkeit wahrgenommen. Das Land verstand sich damals bereits als aufstrebende Weltmacht. Doch China behandelte europäische Gesandte wie Bittsteller.

Die Handelsbeziehungen mit China wurden für Großbritannien zunehmend problematisch. Zwar propagierten viele europäische Staaten schon damals den Freihandel, doch oft galt dieser Grundsatz nur, solange er den eigenen Interessen nützte. Wenn Staaten westliche Forderungen zurückwiesen oder wirtschaftlich zu mächtig erschienen, griffen die europäischen Mächte häufig zu politischem Druck oder militärischer Gewalt.

Wie die Briten versuchten, China mit Opium zu öffnen

Die Briten fanden schließlich eine Ware, mit der sie das Handelsdefizit ausgleichen konnten: Opium. Die Droge wurde in Britisch-Indien produziert und anschließend illegal nach China geschmuggelt.

Die Folgen waren schwerwiegend. Millionen Chinesen wurden abhängig. Zeitgenössische Berichte schildern Beamte, Soldaten und Händler, die ihre Arbeit vernachlässigten und große Teile ihres Vermögens für Opium ausgaben. Gleichzeitig floss nun Silber aus China heraus statt hinein.

Großbritannien machte Chinas Bevölkerung systematisch mit Opium süchtig// Bild: wikimedia/xiquinhosilva
Großbritannien machte Chinas Bevölkerung systematisch mit Opium süchtig// Bild: wikimedia/xiquinhosilva

Die chinesische Regierung versuchte deshalb, den Handel zu stoppen. Kaiser Daoguang entsandte 1839 den Beamten Lin Zexu nach Kanton. Dieser ließ große Mengen Opium beschlagnahmen und öffentlich vernichten.

Den Briten gefiel das gar nicht. Die britische Regierung argumentierte, China habe britisches Eigentum zerstört und den freien Handel behindert. Offiziell ging es außerdem um die angeblich schlechte Behandlung britischer Staatsbürger. Dahinter standen jedoch vor allem wirtschaftliche Interessen: Großbritannien wollte einfach weiter Opium nach China verkaufen.

Opium-Kriege erklärt: Militärische Überlegenheit gegen ein geschwächtes Kaiserreich

1840 begann der Erste Opiumkrieg. Die britische Marine war den chinesischen Streitkräften technologisch deutlich überlegen. Moderne Dampfschiffe trafen auf veraltete Waffen. Viele chinesische Soldaten kämpften noch mit alten Musketen und traditionellen Waffen gegen moderne Artillerie.

Opium-Kriege erklärt// Bild: wikimedia/xiquinhosilva/Creative Commons Attribution 2.0 Generic
Opium-Kriege erklärt// Bild: wikimedia/xiquinhosilva/Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Allerdings lagen die Probleme nicht nur im militärischen Rückstand. Die Qing-Dynastie kämpfte bereits seit Jahren mit Korruption, Verwaltungsproblemen und inneren Spannungen. Viele regionale Behörden arbeiteten ineffizient, während die Bevölkerung stark wuchs und soziale Konflikte zunahmen.

1842 musste China kapitulieren und den Vertrag von Nanking unterzeichnen – einen der sogenannten „ungleichen Verträge“. China musste hohe Entschädigungen zahlen, mehrere Häfen für den britischen Handel öffnen und Hongkong an Großbritannien abtreten.

Hongkong: Vom britischen Außenposten zur chinesischen Sonderverwaltungszone

Hongkong entwickelte sich unter britischer Herrschaft schnell zu einem der wichtigsten Handelszentren Asiens. Die Briten bauten die Hafenstadt zu einem internationalen Finanzplatz aus. 1898 erhielt Großbritannien zusätzlich große Teile des Umlands für 99 Jahre als Pachtgebiet. Erst 1997 wurden die Gebiete an China zurückgegeben.

Bis heute besitzt Hongkong einen Sonderstatus. Nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ sollte die Stadt ihr eigenes Wirtschafts- und Rechtssystem behalten. Lange Zeit verfügte Hongkong deshalb über deutlich mehr politische und gesellschaftliche Freiheiten als das chinesische Festland.

In den vergangenen Jahren hat die chinesische Regierung den Einfluss Pekings jedoch deutlich ausgeweitet. Kritiker sprechen deshalb von einer schrittweisen Einschränkung der bisherigen Autonomie.

Warum es trotz allem zum Zweiten Opiumkrieg kam

Nach dem ersten Krieg hatte Großbritannien bereits große Vorteile erhalten. Doch die Briten wollten weitere Häfen öffnen, freien Zugang zum chinesischen Markt erhalten und diplomatische Vertretungen direkt in Peking einrichten. Weil China sich weigerte, eskalierte die Lage erneut.

1856 kam es zum zweiten Opiumkrieg. Die Briten nutzten einen vergleichsweise kleinen Vorfall rund um das chinesische Schiff „Arrow“ als Anlass. Und diesmal waren auch die Franzosen mit von der Partie. Offiziell wegen der Ermordung eines französischen Missionars in China. In Wahrheit ging es Frankreich um das Gleiche wie Großbritannien: mehr Einfluss und größere Handelsrechte, um China wirtschaftlich auszubeuten.

Der Zweite Opiumkrieg war für China noch demütigender als der erste: Britische und französische Truppen marschierten bis nach Peking und plünderten den Alten Sommerpalast des Kaisers. Das Ereignis gilt in China bis heute als Symbol kolonialer Erniedrigung.

Die Opium-Kriege waren der Beginn von Chinas „Jahrhundert der Demütigung“

Die Opiumkriege markierten den Beginn einer langen Krise des chinesischen Kaiserreichs. Westliche Mächte, Russland und später auch Japan zwangen China immer neue Handelsprivilegien auf. Das Land verlor zunehmend die Kontrolle über Teile seiner Wirtschaft und Außenpolitik.

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Gleichzeitig verschärften sich die inneren Probleme. Die jahrhundertealte Kaiserherrschaft wurde immer schwächer. Korruption, Hungersnöte, Bevölkerungswachstum und regionale Aufstände belasteten den Staat zusätzlich.

Besonders verheerend war der Taiping-Aufstand zwischen 1850 und 1864. Der Bürgerkrieg forderte vermutlich mehr als 20 Millionen Todesopfer und zählt zu den tödlichsten Konflikten der Geschichte.

Eine weitere Demütigung war der sogenannte Boxeraufstand: Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich in China eine antiwestliche Bewegung, die den Einfluss fremder Mächte sowie christliche Missionare zurückdrängen wollte. Eine internationale Allianz aus Japan, Russland, Großbritannien, Frankreich, Italien, den USA, dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn schlug den Aufstand im Jahr 1900 gewaltsam nieder. China musste hohe Entschädigungen zahlen und büßte weitere Souveränität ein.

Im Zuge des Boxeraufstands hielt der deutsche Kaiser Wilhelm II. auch seine berüchtigte Hunnen-Rede: Darin forderte er deutsche Soldaten, die nach China verabschiedet wurden, zu besonders harter Kriegsführung auf. Er sagte sinngemäß, die Soldaten sollen sich “wie Hunnen” verhalten:

“Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht!” – Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven, 1900

Österreich-Ungarn beteiligte sich zwar nur mit wenigen Marineschiffen, profitierte aber wie die anderen Mächte von Handelsprivilegien. Über Soldaten gelangten außerdem chinesische Kunstobjekte nach Wien. Einzelne Stücke im Weltmuseum in der Wiener Hofburg werden heute mit dem Boxeraufstand und den damaligen Plünderungen in Verbindung gebracht.

Die Niederschlagung des Boxeraufstands fand in der Hochphase des Imperialismus statt. Europäische Mächte, aber auch Japan und die USA konkurrierten damals weltweit um Kolonien, Handelsprivilegien und politischen Einfluss.

Das Ende des Kaiserreichs und der Weg in die Armut

1911 brach schließlich die Qing-Dynastie zusammen. Damit endete die jahrtausendealte Herrschaft chinesischer Kaiser. Doch Stabilität brachte das nicht. Auf den Zusammenbruch des Kaiserreichs folgten Bürgerkriege, Machtkämpfe regionaler Militärführer und später die japanische Invasion Chinas im Zweiten Weltkrieg.

1949 gewannen die Kommunisten unter Mao Zedong schließlich den Bürgerkrieg. Mao versprach, China wieder stark und unabhängig zu machen. Tatsächlich gelang es ihm, das Land politisch zu vereinen. Wirtschaftlich führten viele seiner politischen Kampagnen jedoch in die Katastrophe.

Besonders der „Große Sprung nach vorn“ zwischen 1958 und 1962 endete in einer gewaltigen Hungersnot. Historiker schätzen, dass dabei zwischen 15 und 45 Millionen Menschen starben. In dieser Zeit gehörte China zu den ärmsten Staaten der Welt. Große Teile der Bevölkerung lebten in extremer Armut auf dem Land.

Der Wiederaufstieg – und warum die Geschichte bis heute nachwirkt

Erst nach Maos Tod begann unter Deng Xiaoping ab 1978 der wirtschaftliche Wiederaufstieg. China führte schrittweise marktwirtschaftliche Reformen ein, erlaubte private Unternehmen und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Produktionsstandorte der Welt.

Heute sieht sich China wieder als globale Großmacht. Die Erinnerung an die Opiumkriege und das sogenannte „Jahrhundert der Demütigung“ spielt dabei eine wichtige Rolle im nationalen Selbstverständnis.

Die Erinnerung an die Opium-Kriege prägt Chinas Politik bis heute// Bild: unsplash/Ling Tang
Die Erinnerung an die Opium-Kriege prägt Chinas Politik bis heute// Bild: unsplash/Ling Tang

In chinesischen Schulen, Museen und Reden der Staatsführung nimmt diese Geschichte bis heute großen Raum ein. Die zentrale Botschaft lautet: China war einst stark, wurde von fremden Mächten geschwächt und ist nun wieder aufgestiegen.

Deshalb reagiert die chinesische Führung oft empfindlich auf ausländische Kritik oder politische Einmischung. Zum Beispiel wehrt sich das Land seit vielen Jahren gegen die Einmischung fremder Staaten im ostchinesischen und südchinesischen Meer, die China als seine Hoheitsgebiete betrachtet. Ebenso weist Präsident Xi Jinping die Kritik fremder Staaten an den seit Jahren bestehenden Menschenrechtsverletzungen in China zurück. Schon im Jahr 2022 sagte er, darauf angesprochen, dass Länder keine “gängelnden Lektoren” bräuchten.

Schließlich nutzt die chinesische Führung die Erinnerung an die Opium-Kriege auch in der Taiwan-Frage: China beansprucht Taiwan für sich und argumentiert auch hier mit territorialer Integrität. Viele politische Beobachter kritisieren deshalb, dass China seine historische Opfererfahrung nutzt, um eine zunehmend konfrontative Außenpolitik zu legitimieren.

Die chinesische Führung selbst stellt ihre Politik jedoch meist nicht als aggressiv dar, sondern als Verteidigung legitimer Interessen und die Korrektur historischer Ungerechtigkeiten.

 

Mehr zum modernen China:

https://www.ardsounds.de/sendung/welt-macht-china/urn:ard:show:b5d8f07b1baa22d0/

Vietnamkrieg, Bomben, Todesschwadronen: Die USA und ihre Spur der Zerstörung in Asien

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Tags: chinafrankreichfreihandelgroßbritanniengroßmachtkolonialismusKriegopiumopiumkriegeWirtschaft

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