Du wachst mit Fieber auf, hustest und fragst dich: Muss ich zum Arzt oder reicht es, zu Hause zu bleiben? Genau diese Entscheidung ist oft schwierig, vor allem weil viele Hausarztpraxen überlastet sind. Ein neues Projekt aus Linz will hier helfen: Eine KI soll deine Symptome einschätzen und dir sagen, wie dringend ein Arztbesuch wirklich ist.
Was der KI-Hausarzt „MIND“ anders machen soll
Statt auf reine Symptomraterei zu setzen, kombiniert das Team Machine Learning mit Symbolic AI und medizinischer Logik – plus einfacher Heimdiagnostik. Übersetzt: Symptome, Vitaldaten und Ergebnisse von gängigen Heimtests werden zusammengeführt und zu einer nachvollziehbaren Ersteinschätzung verdichtet. Keine Black Box, sondern erklärbare Entscheidungen, die im Bedarfsfall gezielt weiterleiten – an Ordination, Notfallkontakte, oder eben: Abwarten, Tee trinken.
Worauf zielt das System?
Im ersten Schritt auf das, was Praxen am häufigsten füllt: grippale Infekte und verwandte Atemwegserkrankungen – sowie Bluthochdruck. Genau dort will MIND Ärztinnen und Ärzte entlasten, damit sie Zeit für die wirklich dringenden Fälle haben. Projektleiterin Dr.in Medina Hamidovic (Institut für Nachrichtentechnik und Hochfrequenzsysteme der JKU) bringt es auf den Punkt: „Unnötige Arztbesuche reduzieren, Patientinnen und Patienten Sicherheit geben – und das Gesundheitssystem spürbar entlasten.“
MIND made in Austria
Der vielleicht wichtigste Twist: MIND wird für Österreich gebaut. Regional gedacht, an das heimische Gesundheitssystem angebunden und an die digitale Gesundheitskompetenz der Menschen hierzulande angepasst. Kein Import aus dem Silicon Valley, sondern „Made in Austria“. Das ist nicht nur politisch chic, sondern praktisch: Wege, Zuständigkeiten und Versorgungsrealitäten unterscheiden sich – eine KI, die diese Logik kennt, trifft bessere Entscheidungen.
Hinter dem Projekt steht ein interdisziplinäres Team: Neben Hamidovic als Leiterin ist Univ.-Prof.in Dr.in Erika Zelko (Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der JKU) Co-Leiterin. Mit an Bord sind Expertinnen und Experten aus Medizin, Machine Learning, Symbolic AI und digitaler Medizin – darunter Univ.-Prof.in Dr.in Martina Seidl, Dr. Roya Khanzadeh, Dr.in med. Julia Fuger und Univ.-Prof. Dr. Helmut Salzer (JKU/Kepler Uniklinikum Linz). Die Mission: Technologie, Medizin und Gesellschaft zusammenbringen – mit starker Verankerung in Oberösterreich.
Hard Facts: Start ist am 1. April 2026, Laufzeit zwei Jahre. Finanziert wird MIND mit 250.000 Euro aus dem JKU-Förderprogramm Lift_C. Ziel ist ein Prototyp, der sicher, nachvollziehbar und alltagstauglich ist. Danach könnte eine klinische Version folgen – entweder in einem weiteren Projekt oder als Spin-off der JKU.
Der KI-Hausarzt klingt nach Zukunftsmusik?
Klar. Aber es ist auch eine Ansage an ein System unter Druck: Digitale Erstchecks, die regional verankert sind und ärztliche Logik respektieren, können den Unterschied machen – zwischen übervollen Wartezimmern und gezielter Versorgung. Bleibt die große Frage: Kann KI Empathie ersetzen? Nein. Wenn MIND hält, was es verspricht, ersetzt es nicht den Arztbesuch – es macht ihn dort möglich, wo er wirklich nötig ist.
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